Wie lange reichen Rücklagen bei Einkommensausfall?
Sechs Monate ohne Einkommen. Wie lange hältst du das aus? Rücklagen, Krankengeld und private Absicherung ergeben zusammen die Antwort – oder eben nicht.
Die Frage, die keiner gern stellt
Wie lange hältst du finanziell durch, wenn dein Einkommen morgen ausfällt? Sechs Wochen? Sechs Monate? Ein Jahr? Die meisten Menschen haben darauf keine präzise Antwort. Das ist verständlich – aber es ist auch der wichtigste Baustein einer ehrlichen Standortbestimmung.
Die drei Phasen des Einkommensausfalls
Phase 1: Lohnfortzahlung (Woche 1–6). Der Arbeitgeber zahlt 100 % Netto weiter. Für Selbstständige gilt: nichts, wenn keine Zusatzabsicherung besteht.
Phase 2: Krankengeld (Woche 7 bis maximal 78). Rund 70 % Brutto, gedeckelt bei 90 % Netto. Wer 3.000 € netto verdient, bekommt ca. 2.400 €/Monat. Der Unterschied macht bei einer typischen Familie schnell 500–700 € pro Monat.
Phase 3: Nach Krankengeld. Zwei Wege:
- Erwerbsminderungsrente (EMR): im Schnitt ca. 950 € brutto/Monat volle EMR
- Arbeitslosengeld I: 60–67 % des letzten Nettos, für 12 Monate
Beides deutlich weniger als Krankengeld und dramatisch weniger als das ursprüngliche Einkommen.
Wie viel Rücklagen brauche ich?
- Basis: 3 Monatsnettos als Notfallpuffer
- Familie mit Kindern: 6 Monatsnettos
- Selbstständig: 6–12 Monatsnettos
- Immobilienkredit: zusätzlich 2–3 Monatsraten als Puffer
Beispiel: Familie in Süderbrarup mit 3.500 € Netto sollte mindestens 21.000 € liquide Reserve haben – auf einem sofort verfügbaren Konto.
Der oft übersehene Punkt: Selbstständige
Selbstständige in Angeln – Handwerker, Landwirte, Freiberufler, Ärzte – haben ohne separate Absicherung gar keine Lohnfortzahlung und kein automatisches Krankengeld. Wer nicht bewusst einen Wahltarif oder Krankentagegeld abgeschlossen hat, ist ab Tag 1 auf sich selbst gestellt.
Rechenbeispiel: was 6 Monate Ausfall kosten
Jens, 39, Handwerker in Böklund, selbstständig. Familie mit zwei Kindern:
- Lebenshaltung: 2.400 €
- Immobilienkredit: 950 €
- Fixkosten Betrieb: 1.800 €
- Sozialversicherungen: 900 €
Monatsbedarf: rund 6.050 €
Ohne Krankentagegeld: 6 Monate = ca. 36.000 € aus Rücklagen.
Mit Krankentagegeld von 100 €/Tag ab Woche 6: Verlust reduziert sich auf ca. 3.000 €/Monat statt 6.050 € – über 6 Monate ein Vorteil von 18.000 €.
Rücklagen sind gut – aber kein Ersatz für Absicherung
Rücklagen puffern die Zeit. Sie ersetzen nicht die Struktur. Für einen langfristigen Ausfall braucht es Versicherungslösungen.
Sinnvoller Mix:
- Notfallpuffer: 3–6 Monatsnettos liquide
- Krankentagegeld: ab Woche 6
- Berufsunfähigkeitsrente: langfristiger Ausfall
- Private Unfallversicherung: Einmalkosten
Was du jetzt tun kannst
- Kontostand checken: wie viele Monatsnettos sind sofort verfügbar?
- Fixkosten auflisten: was muss monatlich raus?
- Absicherungen prüfen: Krankentagegeld und BU vorhanden?
Fazit
Rücklagen sind der wichtigste Baustein für kurze Ausfälle. Für längere braucht es Versicherungen. Wer beides sinnvoll kombiniert, muss keine Angst vor drei oder sechs Monaten Ausfall haben – sondern kann sich auf Genesung konzentrieren.
Häufige Fragen
Wie viel Rücklagen sind sinnvoll?
Als Faustregel: mindestens 3, besser 6 Monatsnettos. Wer selbstständig ist oder unregelmäßiges Einkommen hat, sollte 6–12 Monate ansetzen.
Was ist Krankengeld?
Leistung der gesetzlichen Krankenkasse ab Woche 7 – ca. 70 % Brutto, maximal 90 % Netto, bis zu 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren.
Was passiert nach dem Krankengeld?
Übergang in die Erwerbsminderungsrente oder Arbeitslosengeld I – meist ein deutlicher Einkommenssprung nach unten.
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Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Beratung. Angaben zu gesetzlichen Leistungen sind Näherungswerte und können sich ändern.